Champion & Co

Championtitel und ihre Wichtigkeit

Wenn Sie jetzt dachten, auch auf unserer Homepage finden Sie nun eine extra dafür eingerichtete Seite, weil wir mit den Ausstellungserfolgen und „grossen” Titeln unserer Katzen prahlen möchten, muss ich Sie leider enttäuschen und entschuldige mich dafür.

Sicher, auch einige unserer Katzen dürfen sich „Champion” nennen, dennoch habe ich es mir abgewöhnt auf unseren Seiten extra daraufhin zu weisen. Warum ?
Dem Liebhaber ist es sicher egal, welche Titel die Eltern seines zukünftigen Lieblings aufweisen. Der Züchter schaut sowieso lieber „hinter” die Kulissen – sprich – studiert den Stammbaum und sucht sich den Typ Katze heraus, den er für sich, dennoch natürlich dem Standard entsprechend, züchten möchte, . . . na und die, die den Titel tragen, denen ist es sowieso so was von egal, glauben Sie mir.

Natürlich sind Ausstellungen (auch) wichtig und gerade Anfänger sollten sie besuchen, denn vielleicht sieht ja dann doch der Eine oder Andere von ihnen ein, dass es seine Richtigkeit hatte, als er seine gekaufte Katze als Liebhabertier erwarb, egal ob in ihm nun doch der Wunsch auf die eigene Zucht hochkommt.
Aber da ja auch jede Mutter ihr Kind am schönsten findet, wieso sollte es dann bei der ersten eigenen Rassekatze anders sein ? Und bei den unzähligen Vereinen mit ihren noch unzähligeren Ausstellungen möchte kaum ein Verein seine gemeldeten Aussteller verärgern und somit ist auch einer weniger typvoll gemeldeten Katze ihr CAC so gut wie sicher, hat diese keine Konkurrenz und nicht gerade ein Holzbein. Bedenken Sie, ein verärgerter Aussteller der (s)ein CAC nicht bekommt, obwohl er konkurrenzlos antritt geht ganz sicher so schnell nicht wieder zu diesem Verein ausstellen und stempelt diesen als unfair oder deren Richter als zu streng ab.
Sie haben recht, das ist kindisch, aber genau so ist es leider und ich durfte das Theater selbst schon ein paar mal mit erleben, als Richter die Titelpunkte verwehrten und den Ausstellern erklärten, dass diesen Katzen laut Standard die zu vergebenen Punkte nicht verdient hatten. Bis auf den Ärger vor Ort kein Problem für die Aussteller, denn unzählige Vereine bedeuten auch unzählige Ausstellungen und dann wird sich eben woanders der Punkt geholt. Es gibt oft allein an einem Wochenende 4 oder mehr Ausstellungen in Deutschland, da wird doch wohl für jedem das „Richtige” dabei sein, oder ?

Was die Punkte bedeuten ? Also . . .
Der Züchter bzw. seine Katze muss Anwartschaften sammeln und von verschiedenen Richtern dem angestrebten Titel entsprechend beurteilt worden sein, um sich einer der unten aufgeführten Champions nennen zu dürfen.
3 x CAC (von mind. 2 verschiedenen Richtern) = Champion
3 x CACIB (davon mind. 1x im Ausland und von mind. 2 verschiedenen Richtern) = Internationaler Champion
3 x CAGCI(B) (davon mind. 1x im Ausland und von 3 verschiedenen Richtern) = Grosser Internationaler Champion
3 x CACE (davon 2x im Ausland und von 3 verschiedenen Richtern) = Europa Champion
5 x CAGCE (aus 3 verschiedenen Ländern und von 4 verschiedenen Richtern) = Grosser Europa Champion
4 x CACM (4 verschiedene Länder, davon 1x im eigenem Land und 1 x im andren Kontinent) = Welt Champion

Jede Rasse wird nach Punkten (100) bewertet um einen Anwartschafts-Punkt zu erreichen. Das sieht bei Briten wie folgt aus: Körper 20 Punkte, Kopf 30 P., Augenfarbe 10 P., Fellfarbe 25 P., Felltextur & -länge 10 P. und die Kondition (Allgemeinzustand des Tieres) 5 Punkte. Je höher der Anwartschafts-Punkt , je höher auch die Anforderungen am Tier.
Für ein CAC muss die Katze auf 90 Punkte kommen,
für ein CACIB auf 92,
ein CAGCI auf 94,
ein CACE auf 96,
CAGCE auf 98 und
für das CACM auf 99 Punkte !

Sie sehen, die Pyramide spitzt sich immer mehr zu, je höher der Titel. Ab einem Europa Champion sollte also ein Tier schon nahezu „perfekt” sein, was ich jedoch bei den allerwenigsten ersehen kann. Warum gab es noch vor ca. 20 Jahren (als ich die ersten male auf Ausstellungen ging) kaum Welt Champions ?
Genau, weil die Richter noch streng richten durften, Auslandspunkte Pflicht waren und es nicht so viele Ausstellungen gab. Eine Katze muss/te also mind. 18 x im In- und Ausland eine Ausstellung besucht haben und nahezu perfekt sein um sich Welt Champion nennen zu dürfen. Bei dieser (alten) Regelung hatte sie sich den Titel also wirklich verdient und es war eine Leistung für Mensch und Tier vor der ich gerne meinen „Hut” zog. Aber heute ?! . . .
Keine Katze ist 100% perfekt, dass stimmt, aber dann steht ihr nun einmal ein so hoher Titel auch nicht zu, so einfach sehe ich das ! Wie kann ein Welt Champion eine blasse Augenfarbe (obwohl mindestens bernsteinfarben erwünscht ist) und recht grosse spitze Ohren (obwohl kleine – mittelgrosse abgerundete erwünscht sind) haben ? Nur für jeden der beiden, wenn auch kleineren, Mängel je 1 Punkt abgezogen, kommt er nur auf 98 Punkte. Wie rechtfertigt ein Richter da ein CACM ??!! Ich weiss es leider nicht.
Es gibt sie natürlich noch, die Richter die sich „trauen” einem Tier den angestrebten Punkt zu verwehren, es fachkundig begründen können und zu ihrem Urteil stehen, egal was der Verein ihm riet, jedoch ist diese Art sehr stark vor’m „Aussterben” bedroht und gehört daher eher geschützt als herablassend belächelt, nicht mehr eingeladen oder gar beschimpft.
Zum Glück bin ich kein Richter meiner eigenen gezüchteten Rasse, mich würden sehr viele Britenzüchter hassen ! Selbst an meinen Tieren find ich unzählige Mängel, keine Frage, aber wir züchten ja um zu verbessern. Laut der ganzen Europa & Welt Champions die man im Internet findet, bräuchten wir das aber eigentlich gar nicht mehr.

Wie oben schon erwähnt stieg die Zahl der Vereine allein in Deutschland auf über 50 (heute über 90 !!!) an, was den Konkurrenzkampf um die Aussteller nicht gerade erleichterte und so kam Mitte der 90er ein Verein auf die Idee, dass seine Mitglieder nicht mehr ins Ausland müssen, wenn sie für jeden zu erbringenden Auslandspunkt weitere 3 x im Inland ausstellen. Warum den Vereinen der Nachbarländer das Geld gönnen, wenn es hier doch viel besser „aufgehoben” ist, oder ? Schnell zogen die anderen Vereine nach, bevor die eigenen Mitglieder in diesen „mitgliederfreundlicheren” Verein überwechselten.
Die Hallen füllten sich nun wieder, die Vereine hatten wieder genug Aussteller und irgend wie hatte ja auch jeder was davon, selbst die Katzen, die nun nicht mehr so lange im Auto sitzen mussten.
Obwohl nun auch Neuzüchter die letzten 12 Jahren (Ich glaube, das Internet trug einen großen Teil dazu) wie Pilze aus dem Boden schiessen (neue Vereine ebenso) ging das Spiel um die Gunst der Aussteller wieder von vorne los. Ich glaube es war der DRV e.V. ca. 2001, dem die Idee kam, Doppelbewertungen anzubieten. Es sind in der Regel 4 – 6 Richter pro Ausstellungswochenende anwesend und damit die Richter nicht schon vor 12 Uhr mit dem Richten der wenigen Katzen durch sind, können diese doch noch mal ans „Werk” um so dem Verein die Euro einzubringen die ihm durch die wenigen Aussteller fehlen. Nicht jeder Verein bietet Doppelbewertungen an aber die meisten gestattet dafür ihren Mitgliedern zumindest, dort hin zu gehen und erkennt diese Punkte auch an. Ist auch fair, denn es richten ja verschiedene Richter.
Der einzig schwierige Titel war bis vor kurzem noch der Welt Champion, denn diese Auslandspunkte und der Kontinent-Punkt konnten nicht mit Inlandsstrafpunkten verrechnet werden, aber selbst das hat sich nun erledigt, geht man 18 x im Inland ausstellen oder „nur” 8 x in 3 verschiedenen Ländern. Minimale Erschwerung, 3 Bühnenerfolge müssen vorgewiesen werden, na immer hin !

Nun aber wieder zum eigentlichem Thema.
Was ist denn nun, ausser dem „einfachen” Championtitel, ein Titel noch Wert, bzw. was sagt er aus ?
Im Grunde nichts, denn schon ein einfaches V besagt, dass das vorgestellte Tier seinem Rassestandard entspricht und mit ihm gezüchtet werden darf. Es gibt sogar Vereine die den Amerikanischen Champion-Titel vergeben, nur weil sie Richter aus den USA einfliegen lassen. Welch Hohn, wurde das Tier doch nie dort vorgestellt um sich mit den dortigen Vertretern seiner Rasse zu messen !
Und was ist ein Europa- oder Welt Champion-Titel wert, wenn das Tier nie ausserhalb der eigenen Landesgrenze, meistens noch nicht einmal sein Bundesland, verlassen hat ? Genau, auch NICHTS
Theoretisch braucht ein auszustellende Züchter heutzutage nur genug Ausdauer bis er alle Punkte gesammelt hat um dann mit seinen Tieren, gerade in der „offenen” Internetwelt zu prahlen.

Sie haben nachgerechnet ? Das arme Tier, so oft auf Ausstellungen !
Nein, ganz so schlimm ist selbst der höchste Titel, auch ohne nur ein einziges mal im Ausland gewesen zu sein, nicht. 46 Punkte (hat man jeden auf Anhieb bekommen) teilen sie durch 2, macht schon mal „nur” noch 23 Austellungswochenenden und wenn Sie nun an die Doppelbewertungen denken, dann war das Tier im besten Fall 12 Wochenenden „ausser Haus”. Nun wissen Sie auch, warum schon junge Tiere so hohe Titel tragen können.

Kommt das Thema Auslandspunkt oder Ausstellungen im allgemeinem auf, liest oder hört man immer wieder:
Na im Nachbarland habe ich ja meistens die selbe Konkurrenz wie hier.
Mag sein, dennoch auch Tiere aus diesem Land und meistens auch deren Richter.
Die Ausstellungen auf einem anderen Kontinent sind so klein, dass ja sowieso nur die paar da anwesend sind, die eben diesen Kontinentpunkt zum Welt Champion brauchen.
Auch das mag sein, aber diese Tiere wurden auf diesem Kontinent vorgestellt und gerichtet. Die dort lebenden Züchter können ihre Tiere auch auf diesen Ausstellungen ausstellen und für Konkurrenz sorgen, tun sie das nicht, ist es ihre Sache.
Der Richter hat ja keine Ahnung und hat daher der Konkurrenz den Punkt gegeben, obwohl mein Tier viiiiel besser war.
Das sehe ich nicht so. Die Katzen haben ihr V bekommen und genau das besagt, mit ihnen kann gezüchtet werden da sie dem Standard entsprechen. Da selbst der Standard innerhalb einer Rasse genug Spielraum zur Verfügung stellt damit jeder Züchter den für sich idealen Typ züchten kann, warum darf dann der Richter nicht auch innerhalb des Standard seinem Geschmack freien Lauf lassen ?
Ich glaube das einiges, so wie der Geschmack der Richter und ein nicht erreichtes Best in Show überbewertet, aber geht es um wichtigere Sachen, wie strenge Richter oder Auslandspunkte, gerne unterbewertet werden.

Und das viele Vereine ihren eigenen Mitgliedern so manchen Punkt oder Bühnenauftritt lieber selbst zukommen lassen, als einem Fremdvereinsmitglied ist auch schon lange bekannt und doch kein Beinbruch. Vereinsmeierei gibt’s überall, na und ?

Es ist nun einmal nicht alles Gold was glänzt !

Einen guten Züchter kann man nicht anhand der Titel seiner Katzen feststellen.

Das beste Showtier mit noch so gutem Titel ist nicht zwangsläufig auch das beste Zuchttier.
Das einfache V-Tier ist aber oft ein sehr gutes, wenn nicht sogar das bessere, Zuchttier !

Jeder Züchter sollte den Standard seiner Rasse kennen und genau wissen was die auserwählten Partner mit in die „Ehe” bringen sollten um den zukünftigen Generationen das mitzugeben was er in erster Linie, rassetypmässig für sich züchten will.
Ich z.B. lege nicht so großen Wert auf super kurzes und durchgefärbtes Fell. Auch die Augen müssen nicht unbedingt die dunkelste Farbe aufweisen. Dafür lege ich großen Wert auf kompakte mittelgroße Katzen mit runden Köpfen (gerade bei Mädchen) und kullerrunden Augen, die weitgesetzte kleine bis mittelgroße Ohren aufweisen.
So hat eben jeder seine Ansichten und das ist gut, so lange diese innerhalb des Rassestandards liegen.

Nein, ich bin kein Ausstellungsgegner. Ich, mein Mann ja schon länger, bin einfach nur Ausstellungsmüde geworden, denn ich kann dieses ganze Getue der Aussteller einfach nicht verstehen, hat es mit dem erhofften Bühnenauftritt nicht geklappt weil wieder mal die „weniger schöne” Konkurrenz da oben steht.

 

© D. Kempe